Kompetenzraster zur Selbsteinschätzung innerhalb des Bereichs der Musiktheorie

Das Musiktheorie nicht nur bei vielen Lernenden einen schweren Stand besitzt, ist nicht zuletzt durch eine fehlende Anwendung im Unterricht (Kompetenzbereich Produktion) und Alltag zu erklären. Auch die Fachdidaktik des Fachs Musik hat sich gegen eine reine Vermittlung von Musiktheorie hin zu einem integrierten Bestandteil der Unterrichtsvorhaben positioniert. Das Lernen von musiktheoretischen Inhalten wie Notation von Tonlängen und Tonhöhen (Erprobungsstufe) und das Erkennen und Anwenden von Intervallen und Akkorden (Mittelstufe) soll nicht für sich stehen, sondern ein Kontext soll Anlass zur Beschäftigung mit Musiktheorie bieten. Musiktheorie soll nicht der Musiktheorie Willen von den Lernenden aufgenommen werden, sondern durch unterrichtliche oder außerunterrichtliche Gelegenheiten möglicher Bestandteil des Musikunterrichts sein.

Nun stehen Lehrende oftmals vor dem Problem, dass einerseits durch die eingangs beschriebenen Gedanken, aber durch epochalen Unterricht, Lehrkraftwechsel im Fach und andere prozessuale Umstände, Lernende wichtige Grundlagen der Musiktheorie nicht adäquat anwenden können. Diese Kompetenzen und Inhalte werden aber für die Einführung eines neuen Lerngegenstands benötigt.

Konzeption des Kompetenzrasters

Selbstreflektion und Selbstorganisation

Durch das Kompetenzraster werden die Lernenden angehalten ihren Stand zu dem gegebenen Inhaltsbereich zu testen und zu reflektieren. Die Schülerinnen und Schüler steuern dabei ihren Lernprozess selbstorganisiert. Lernjournale/Lerntagebücher/Wochenpläne können dabei die Lernenden in ihrer Organisation unterstützen und geben Anlass am Ende des Unterrichtsvorhabens ihr Lernen zu reflektieren.

Differenzierung

Durch das offene und selbstorganisierte Vorgehen werden verschiedene Formen der Differenzierung ermöglicht:

  • Differenzierung nach Lerntempo
  • Differenzierung nach Kompetenzniveau
  • Differenzierung nach Lernzugang
  • Differenzierung nach Lernweg (Methode)
  • Differenzierung nach Interesse

 Gamification

 Dass den Lernenden spielen Spaß bereitet liegt in der Natur der Sache, welche für den unterrichtlichen Kontext genutzt werden kann. Gamification nutzt die spieltypischen Komponenten um die Motivation der Schülerinnen und Schüler zu steigern. Mit den in dem Kompetenzcheck genutzten Learning-Apps, welche per QR-Code zur Verfügung gestellt werden, kontrollieren die Lernenden ihr Kompetenzniveau einerseits um eine Eingangs- und Ausgangsdiagnostik durchzuführen, andererseits aber auch den Lernprozess begleitend.

Phasen im Unterricht

  1. Lernanlass schaffen

Eingebettet in ein Unterrichtsvorhaben kann sich der Kompetenzcheck an einer Einstiegsphase anschließen. Dies hat den Vorteil, dass die Schülerinnen und Schüler Motivation durch den thematischen Einstieg erfahren und ihnen möglichst Transparent ist, zu welchem Zweck der Kompetenzcheck eingesetzt wird und aus welchem Grund die Lernenden sich mit dem musiktheoretischen Inhalt auseinandersetzen sollen.

  1. Ziele und Möglichkeiten des Kompetenzchecks verdeutlichen (eine Einzelstunde)

Um die Intention des Kompetenzrasters offenzulegen und mit dem Kurs / der Klasse zu thematisieren, soll den Lernendne verdeutlicht werden, dass das Kompetenzraster als Erarbeitungs- sowie als Reflektionsmedium eingesetzt werden soll. Dabei soll der Kompetenzckeck ein Abbild des eigenen Lernstands sein, sodass Nachfragen in der Klasse oder dem Sitznachbarn das Ergebnis verfälschen. Besonders betonen sollte man, dass den Schülerinnen und Schüler vielfältige Freiräume eröffnet werden, wobei sie diese verantwortungsvoll nutzen sollen.

  1. Kompetenzcheck durchführen (eine Einzelstunde)

Schülerinnen und Schüler spielen zu jeder Teilkompetenz ein kleines Lernspiel (learning-apps.org), wobei Anstoß zur Reflektion des eigenen Lernstands einerseits das erspielte Ergebnis gibt, andererseits aber natürlich auch der Prozess des Spiels durch den Schüler / die Schülerin in den Reflektionsgedanken einbezogen werden kann.

  1. Kompetenzdefizite aufarbeiten (eine Doppelstunde)

Nachdem die Schülerinnen und Schüler ihre Kompetenzen innerhalb des Rasters festgestellt haben, haben sie die Möglichkeit ihre Schwächen aufzuarbeiten. Hier sollen die Lernenden eigene Lernwege gehen können und individuell ihrem Lerntempo, Lernniveau, Lernzugang, Methode und Interesse nach Entscheidungen treffen. Hierzu können dem Kurs verschiedene digitale oder analoge Medien in Form einer Lerntheke zur Verfügung gestellt werden.

  1. Fortwährendes Aufarbeiten der Defizite als Förder-Aufgabe

Fortwährend (begleitend dem fortlaufenden Unterricht) kann der Kompetenzcheck als Förder-Aufgabe eingesetzt werden. Hierbei können die Lernenden weiter ihre Kompetenzdefizite aufarbeiten und vertiefen.

  1. Reflektion des Lernprozesses

Am Ende des Prozesses sollen die Lernenden angeregt werden Ihr Lernprozess zu reflektieren. An dieser Stelle können eventuelle Lernjournale/Lerntagebücher/Wochenpläne ausgewertet und in die Reflektion einbezogen werden.

Reflektion des Vorhabens

Das Kompetenzraster wurde in zwei Jahrgangsstufen erprobt, wobei die Inhalte ähnlich waren. Festzustellen war eine sehr hohe Motivation sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Dies mag an die Einbettung in den Kontext einerseits, andererseits aber natürlich an den Umgang mit digitalen Medien und den Lernapps liegen. Da jede Schülerin und jeder Schüler individuell an seinen Kompetenzen arbeitet ist die Zahl der effektiven Lernzeit im Unterricht sehr hoch. Eine fortwährende Implementierung dieser Arbeitsweise in den Unterricht könnte die Effizients weiter steigern.

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