Einsatzmöglichkeiten von Moodle im Unterricht

Was ist Moodle?

Moodleist eine Lernplattform, die viele Module enthält, mit deren Hilfe man e-learning-Elemente in den Unterricht integrieren kann. Die Möglichkeiten für die schulische Nutzung sind sehr vielfältig und reichen von der Dokumentation von Unterricht (in Form von zur Verfügung gestelltem Material), über kollaborative virtuelle Lernräume für Schülerinnen und Schüler bis hin zu digitalisieren Prüfungs- und Bewertungsmodulen. Auch der Austausch von Lehrerinnen und Lehrern, die gemeinsame Arbeit (z.B. an didaktischen Konzepten oder an Unterrichtsplanungen) und die Dokumentation von Konferenzunterlagen, sowie Abstimmungen und Evaluationen sind über die Plattform sehr gut zu organisieren.

Moodle ist sehr erfolgreich: die Zahl von 117 Millionen Nutzern in 233 Ländern zeigt den extrem hohen Verbreitungsstand der Lernplattform.

In Deutschland wird Moodle im universitären Lernen bereits seit ca. 10 Jahren intensiv genutzt, der Einsatz im Unterricht an Schulen ist im Zusammenhang mit dem Thema „Lehren und Lernen in der digitalisierten Umwelt“ didaktisch relevant geworden. Die Software bietet die Möglichkeiten zur Unterstützung kooperativer Lehr- und Lernmethoden und fördert die Eigenverantwortung der Lernenden für ihren Lernprozess.

Die Anordnung von Arbeitsmaterialien und Lernaktivitäten erlauben unterschiedliche didaktische Szenarien, die einem konstruktivistischen Lernmodell folgen können.

Die unterschiedlichen Module von Moodle lassen sich auch funktional aufgliedern:

Im Folgenden werden die Möglichkeiten, die Moodle bietet, entsprechend dieser vier Funktionen dargestellt und die einzelnen Module erklärt:

Information

Die für die Weitergabe von Informationen geeigneten Module sind in erster Linie die Arbeitsunterlagen, über die Links zu Ressourcen im Internet, einzelne Dateien (in beliebigen Dateiformaten), Verzeichnisse (also ganze Dateisammlungen zu einem Thema), aber auch Text- und HTML-Seiten zur Verfügung gestellt werden können (Datenbank).

Informationen zu Terminen (Klausuren etc.) können in den Kalender eingetragen und zusätzlich über das Nachrichtenforum angekündigt werden.

Aber auch die Lernaktivitäten bieten die Möglichkeit, Informationen aufbereitet zur Verfügung zu stellen. So können z.B. die Einleitungsseiten dieser Module (z.B. Aufgaben) dazu verwendet werden, weitere Informationen (URLs oder auch Dateien im lokalen Kursraum) zu verlinken. Das Modul Glossar eignet sich z.B. gut dafür, Informationen lernaktivitäts- und materialienübergreifend zu sammeln und zu systematisieren. Begriffe, die in Texten/Dateien vorkommen und im Glossar aufgeführt sind, werden automatisch verlinkt.

Individuelle Arbeitspläne/Lernpakete

Der Moodle-Arbeitsplaner ist eine Zusatzfunktion innerhalb von Moodle@RLP, die es Lehrkräften erlaubt, Lernenden je nach ihrem Kenntnisstand gezielt Lernmaterial und Aufgaben zuzuweisen, den Bearbeitungsfortschritt jedes Einzelnen im Blick zu behalten sowie bei Bedarf Rückmeldungen und ggf. Unterstützung zu geben. Der Arbeitsplaner ist darauf ausgelegt, ein stärker individualisierendes, auch inklusives Lehren und Lernen im Unterricht zu ermöglichen.

Kommunikation

Seine Stärken spielt Moodle im Bereich der Kommunikation und Kooperation zwischen den Teilnehmern auf der einen, aber auch den Teilnehmern und Kursleitern auf der anderen Seite aus.

Schon die dominierende Schriftform (Foren, Chats, Wikis, Upload von Dateien) und die Möglichkeit des Zugriffs auf den Altbestand an Diskussionen (als Protokollfunktion und damit der Möglichkeit, frühere Beiträge und Arbeitsergebnisse mit den eigenen zu verlinken) sowie die Zuordenbarkeit von Äußerungen zu einzelnen Personen führen zu einer Veränderung der Arbeitsatmosphäre: Es beteiligen sich nicht nur andere Teilnehmer am Unterricht, die Diskussionen können von den Teilnehmern zunehmend selbst gesteuert werden und gewinnen an Konzentration, Intensität und Tiefe.

Abstimmungen eigenen sich gut für Einstiege in gemeinsam zu erarbeitende Themen – aber auch, um Meinungen über den weiteren Verlauf des Unterrichts abzufragen.

Neben Chats können den Teilnehmern gesteuerte Foren, in denen nur auf Kursleiterpostings geantwortet werden kann, oder freie Foren zur Verfügung gestellt werden. Hier werden dann Materialien gepostet, kommentiert, diskutiert und auch bewertet – wobei auch hier die Benotungen nicht nur durch den Kursleiter vorgenommen werden müssen. Auch das Verfassen von gemeinsamen Texten im Rahmen von Wikis oder die Arbeit an gemeinsamen Glossaren oder in Workshops ist möglich.

Die Möglichkeiten zur Kooperation lassen sich in Abhängigkeit von den Rechten der Teilnehmer im Kursraum sehr frei gestalten und die Gruppenfunktion unterstützt die Beteiligten beim Wechsel der Sozialform.

Das Nachrichtenforum im obersten Kursraumabschnitt hält die Teilnehmer über inhaltliche Veränderungen ebenso auf dem Laufenden wie über im Kalender neu eingegebene Termine, die ein Kursleiter für die Gesamtteilnehmergruppe wie auch für einzelne Personen eintragen kann. Die Mitteilungsfunktion von Moodle erlaubt die Kontaktaufnahme mit und zwischen einzelnen Teilnehmern.

Die Struktur größerer Projekte kann so nicht nur in der Struktur des Kursraumes und der Materialien selbst abgebildet werden, sondern auch der zeitliche Ablauf, evtl. einzuhaltende Abgabetermine für Arbeiten, Deadlines von Aufgaben und Lektionen und noch vieles mehr.

Die möglichen Wirkungen treten aber nicht sofort und automatisch auf. Das Lernen in Netzwerken erfordert von allen Beteiligten ein Umdenken: Der Kursleiter ist nicht mehr traditioneller, allwissender Lehrer und die Schüler nicht mehr nur die Empfänger von Informationen, die diese zu speichern haben. Vielmehr muss das kooperative Lernen im Netz erst erlernt werden: Eigenverantwortlicher, kritischer und selbstkritischer Umgang mit den Arbeitsergebnissen muss erst eingeübt werden.

Präsentation

Die Möglichkeiten zur Präsentation von Arbeitsergebnissen im Rahmen von Moodle sind vielfältig und hängen von den Schreibrechten der Teilnehmer ab.

Bei restriktiver Handhabung der Schreibrechte auf Moodle sind die folgenden Präsentationsmöglichkeiten gegeben:

  • Upload einer Datei, z.B. einer PowerPoint-Präsentation, eines HTML- oder Text-Dokumentes als Teilnehmerantwort auf eine Aufgabe. Diese kann dann nur vom Kursleiter gesehen werden und muss deswegen weiteren Teilnehmern z.B. über Beamer präsentiert werden.
  • Posten einer Datei und Erläuterung derselben etc. in einem Forum.
  • Gestalten eines oder mehrerer Posts in einem Forum, so dass jeder Einzelpost einer Folie in einer Präsentation entspricht.
  • Verfassen eines Wikitextes auf Moodle – wenn sie binäre Inhalte in den Wikieinstellungen zulassen, dann können auch hier Dateiuploads von den Teilnehmern vorgenommen werden.
  • Alle Uploads in ein Forum können von den Kursleitern und, falls gewünscht, auch von dem Teilnehmern bewertet werden. Die Bewertung von eingereichten Aufgaben bleibt bei der Lehrperson.

Bei nicht-restriktiver Handhabung der Schreibrechte auf Moodle haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

  • alle sind Kursleiter: Alle können dann ihre gesamten Materialien für die anderen im Kursraum verlinken oder hochladen.
  • Einzelne Abschnitte im Kursraum werden zur Bearbeitung übergeben: Dabei müssen nicht alle Teilnehmer zum Kursleiter ernannt werden – sinnvoller ist es oft, einzelne Teilnehmer in den Arbeitsgruppen zu „Redakteuren“ zu ernennen und nur diese zu Kursleitern zu machen. Die jeweiligen Arbeitsgruppen können dann über ihre Redakteure z.B. einzelne Abschnitte im Kursraum für den gesamten Kurs gestalten.
  • Eigene Kursräume für die Teilnehmer einrichten, in denen diese den Status von Kursleitern haben.

Der Kursleiterstatus gilt nur für den jeweiligen Kursraum – Übergriffe auf andere Kurse sind also nicht zu befürchten.

Evaluation

Die fast systemweit vorhandenen Bewertungsfunktionen und Kommunikationsfunktionen von Moodle sowie die Transparenz des Gesamtsystems, bei dem in den Logskripten immer zu sehen ist, wer, was, wann gemacht hat, sind nicht die einzige Möglichkeit im Rahmen von Moodle zu Noten zu kommen oder die eigene Arbeit / die Arbeit der Teilnehmer zu evaluieren.

Jedes Modul von Moodle – Aufgaben, Test, Forum, Lektion, Workshop oder auch HotPotatoes – erlaubt die Benotung der Teilnehmer. Dabei werden – je nach Modul und Einstellungen – nicht nur die Ergebnisse festgehalten, sondern auch die Zahl der Versuche, die Uhrzeiten und die Dauer, die der jeweilige Teilnehmer für die Aufgabe benötigte. Die Art der Benotung kann frei gewählt werden – Notenpunkte sind nicht die einzige Möglichkeit, eigene Skalen können eingerichtet werden, so dass auch komplexere Kriterienlisten erstellt werden können.

Interessant ist die Möglichkeit, Kompetenzen zu hinterlegen, so dass kompetenzorientierte und dem jeweiligen Lehrplan entsprechende Beurteilungskriterien angewendet werden können.

Ausführlicheres Feedback kann leicht über Foren, Wikis oder auch im Rahmen von Chats gegeben werden. Die Mitteilungsfunktion erlaubt den persönlichen Austausch zwischen den Beteiligten.

Welche didaktischen Möglichkeiten bietet Moodle für den Unterricht?

In der Grafik sind die Möglichkeiten, die ein moodlegestützter Unterricht bietet, dargestellt:

Grundsätzlich bietet Moodle zwei unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten für den Unterricht:

  1. Unterrichtsdokumentation in Moodle
  2. Unterrichten mit Moodle

Unterrichtsdokumentation mit Moodle

Arbeitsblätter und Unterrichtsmaterialien geordnet nach Themen hochzuladen, ist ein erster Schritt, Moodle zu nutzen. Es entsteht eine komplette Dokumentation des Unterrichts, die Lernenden können eigenverantwortlich auf Materialien zugreifen, wenn sie nicht am Unterricht teilgenommen haben (selbst organisiertes Lernen), und erhalten eine gute Übersicht, indem ihnen eine Art Inhaltsverzeichnis jedes Themas zur Verfügung steht (Transparenz).

Die Unterrichtsdokumentation mit Moodle ist eine sehr gute Möglichkeit, die Schülerinnen und Schüler in ihrer Eigenverantwortung für ihren Lernprozess zu fordern, sie aber dabei gleichzeitig durch eine klare Struktur der Kursthemen und Materialien zu unterstützen. Besonders für die Vorbereitung der Abiturthemen ist eine Unterrichtsdokumentation mit Moodle unterstützend (Organisation).

Unterrichten mit Moodle

Ein nächster Schritt kann es sein, Moodlekurse als digitale Lernplattform in den Unterricht zu integrieren. Das Lernen mit Moodle kann sowohl in der Schule als auch zuhause (Unabhängigkeit von Ort und Zeit), sowohl in Einzel- als auch in Gruppenarbeit (Kommunikation) stattfinden. Moodle ermöglicht hierbei ein hohes Maß an Differenzierungund Individualisierung.  Unterrichten mit Moodle bedeutet, dass die Lehrenden e-learning-Phasen in ihren Unterricht integrieren. Das dahinter stehende Modell des Blended Learnings verbindet Präsenzphasen (also klassischen Unterricht) mit e-learning-Phasen (z.B. Eigenverantwortliches Arbeiten, Hausaufgaben). Die Idee – die sich auch in dem Bild des „auf den Kopf gestellten“ Klassenraums – Flipped Classroom – wiederfindet – ist, dass neuer Stoff in den e-learning-Phasen individualisiert erarbeitet wird und im Unterricht Inhalte gemeinsam diskutiert, vertieft und angewendet wird.

Quellen

Abbildungen sind dem Lehrerserver Baden-Würtenberg (www. https://lehrerfortbildung-bw.de/st_digital/elearning/moodle/praxis/einfuehrung/index.html) entnommen.

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.